Wordle-Text-Johanna

Ein Gedankenexperiment

Dieser wunderbare Texte erschien heute in der Onlineausgabe des Bezirksblattes St. Pölten. Zur Dokumentation findet sich hier der gesamte Text von Johanna Brader. Vielen Dank für diese wunderbare Darstellung.

Einen Garten hat doch jeder, oder?

Wagen wir ein kleines Gedankenexperiment:

Stellen Sie sich vor, Sie machen mit Ihrer Familie Urlaub in einem fremden Land, weit entfernt von der Heimat. Weil Sie das Einkommen eines Durchschnittbürgers haben, müssen Sie die günstigste Reisevariante wählen, welche einige Unannehmlichkeiten mit sich bringt, die Sie aber für Ihre so ersehnte Fernreise in Kauf nehmen. Die Anreise erfolgt per Bus, der bis auf den letzten Platz gefüllt ist und bis auf ein paar wenige Klopausen tagelang ohne Rast durchfährt. Endlich am Ziel angekommen beziehen Sie Ihr Appartement bzw. Ferienhäuschen, das sich in Ihrer Preisklasse befindet. Für Sie, Ihren Partner und die drei Kinder steht nun eine Zwei-Zimmer-Wohnung zur Verfügung. Bad, Klo und Küche werden gemeinschaftlich mit den anderen Gästen im Stock benutzt. Wenn Sie sich außerhalb der Wohnung bewegen fühlen Sie sich sehr unwohl, da Sie die Sprache in diesem Land nicht verstehen und Sie von den Einwohnern, ob Ihres „westlichen“ Aussehens sehr misstrauisch beäugt werden. Da Sie sich für die Reise in die Obhut eines Reiseunternehmens begeben haben, haben Sie keine Mitgestaltungs- und Mitspracherechte bezüglich der Tagesgestaltung. Die Ausflugsziele werden für Sie geplant, die Teilnahme ist verpflichtend, ansonsten muss ein Preisaufschlag bezahlt werden oder im schlimmsten Fall müssen Sie die Reise abbrechen und werden nach Hause geschickt. Ob Ihnen die Tagesgestaltung zusagt, ist dem Unternehmen egal, Sie haben ja nur den Mindestpreis bezahlt.

Na, Lust auf diese Fernreise bekommen?

Und jetzt stellen Sie sich vor, dass es sich hierbei nicht um eine Fernreise handelt, sondern um Ihr alltägliches Leben. In einem fremden Land, mit einer fremden Sprache, beengten Wohnverhältnissen und keiner Möglichkeit, den Alltag frei zu gestalten und individuellen Bedürfnissen und Wünschen nachzugehen. Jetzt haben Sie eine gewisse Ahnung davon, wie es Menschen geht, die aus ihrem Heimatland flüchten müssen und ihr neues „Zuhause“ in Österreich gefunden haben. Nur dass deren Ziel keine Urlaubsreise, sondern das schlichte Überleben fernab von Krieg und Verfolgung ist.

Garten der Vielfalt

Eine Gruppe von Studierenden der Sozialen Arbeit an der Fachhochschule St. Pölten hat diese Vorstellung zum Nachdenken darüber gebracht, was Menschen, die in dieser Situation gelandet sind, gut tun könnte, womit wieder das Gefühl der Selbstbestimmung und Zugehörigkeit gefördert werden könnte. Aus diesen Überlegungen entstand schlussendlich das Gemeinschaftsgarten-Projekt mit dem Namen „Grund“. Dessen Ziel es ist, ein Stück Grund, einen Garten, für Menschen vor, während und nach dem Asylverfahren, zur Verfügung zu stellen, um dort gemeinsam Gemüse, Obst und Blumen anzupflanzen, Zeit zu verbringen, Kontakte zu knüpfen und die Natur genießen zu dürfen.
„In meiner Heimat hab ich auch einen Garten gehabt, das Gemüse pflanzen hab ich hier vermisst. Ich finde es schön, dass ich jetzt wieder die Möglichkeit bekomme, im Garten zu arbeiten.“ Ramin (Name geändert) aus Syrien ist einer der Neo-Gärtner, der sich nun voll Begeisterung in das Bestücken der Beete stürzt. „Mit dem Sonnenpark haben wir hier in St. Pölten den idealen Ort für unseren Gemeinschaftsgarten gefunden. Dank der großartigen Zusammenarbeit mit dem Kulturverein LAMES und dem Verein Sonnenpark haben wir die Chance, unseren Garten hier auch nach Projektabschluss weiterführen zu können“ so Martin Zauner, FH-Lektor und Projektmitinitiator, über die örtliche Lage und Nachhaltigkeit des Projekts.

Neben Blumen auch Freundschaften wachsen lassen

„Ich würde auch so gerne Menschen kennenlernen, die hier in Österreich aufgewachsen sind, um mehr über die Kultur hier zu erfahren und um Freundschaften zu schließen,“ hofft Mirna (Name geändert), eine weitere Gärtnerin, auf das Gelingen des Projekts, „leider war mir das bis jetzt nicht möglich, da ich nirgendwo Anschluss gefunden habe, schon allein wegen der schwierigen deutschen Sprache.“

Durch die dankenswerte Unterstützung der Croudfundingplattform respekt.net und vieler anderer Spender konnte schon das nötigste an Gartenmaterialen und Pflanzensamen lukriert werden. Wer noch gerne Gartengeräte, Pflanzen, Geld oder Zeit (zum Selbermitmachen) spenden möchte, ist jederzeit herzlich dazu eingeladen!

Wer die Gärtner und den Garten, sowie den Sonnenpark näher kennenlernen will, hat dazu am 8.6.2014 die Gelegenheit. Da findet das alljährliche Sonnenparkfest statt, bei dem Jeder und Jede herzlich willkommen ist!

Johanna Brader
Sankt Pölten

Die ersten Spatenstiche.

Spatenstich

Endlich ist es soweit. Heute fanden sich die Mitglieder der Projektgruppe der FH St. Pölten und einige interessierte Gärtner*innen im Sonnenpark ein um bei Kaffee und Kuchen über die Ideen und Wünsche bezüglich der Gestaltung des Gartenprojekts zu sprechen. Anschließend gab es von Jörg eine Führung durch den Sonnenpark und wir konnten die ersten Beete umgraben.

Tischdeko für eine gute Atmosphäre

Kick Off

Im Rahmen unseres Seminars haben wir gestern einige der zukünftigen Gärtner*innen des Gartenprojekts zu uns an die FH zu einem World Café eingeladen. Dabei war die Beteiligung erfreulich hoch und wir haben uns gemeinsam viele Gedanken dazu gemacht wie wir den Garten im Sonnenpark Park nutzen wollen.